Das nächste Thema, wo jede Trainerin des Kindertanzkurses Geduld braucht, ist die Elternarbeit. Positive Einstellung der Eltern ist wichtig. Meist bringen die Eltern die Kinder zum Unterricht, bezahlen ihn, bezahlen die Kostüme und tragen sonstige Kosten, und nicht nur für das Tanzen. Macht sie zu Verbündeten, wählt Elternsprecher! So muss man nicht den Eltern jedes Kindes alles erzählen, das übernimmt der Elternvertreter. Zieht Grenzen, z.B.: das Zuschauen beim Unterricht ist nur an „Schautagen“ oder 5 Minuten zwischen Choreolernen und Cool Down möglich; gibt Feedback und lobt sie für die Unterstützung. Von Eltern wird viel erwartet, aber oftmals ihre Leistung für selbstverständlich genommen.
Druck
Der Druck beginnt meist dort, wo regulärer Unterricht aufhört und Vorbereitungen für Auftritte beginnen. Denn plötzlich wird von Kindern mehr abverlangt. Die Leistung muss im Unterricht aber von Anfang an gefordert werden, aber halt ausbalanciert. Spiel, Spaß und Leistung stehen sich nicht gegenüber, sondern können Hand in Hand gehen, wenn man sie ordentlich an den Alter anpasst. Die Kinder lieben Ergebnisse, lieben Auftritte und lieben es den Eltern etwas zu präsentieren. Wenn ihr Proben für einen Auftritt habt, weist die Kinder ein, erklärt ggf. warum ihr mehr fordert oder in den Stunden evtl. weniger Spiele und mehr Wiederholungen vorkommen. Macht die Bühnenprobe zu einem gemeinsamen Bühne-Erforschen-Abenteuer! Je mehr man erzählt und die Kids mit einbezieht, desto besser. Für die Auftritte auf meinem Festival habe ich extra für mehrere Stunden den Saal zum Proben gebucht, damit ich mit den Kindern ein fast vollständiges Training machen konnte, damit sie nicht nur die eigentliche Auftrittsprobe machen, sondern auch etwas Spaß haben konnten. Sich auf der Bühne wie zuhause zu fühlen ist die Voraussetzung für das allgemeine Wohlfühlen der Kinder bei den Auftritten. Ganz wichtig - die Bühnenprobe ist nicht für Korrekturen, Choreo-Umstellungen und sonstige Neuerungen da. Die Bühnenprobe ist reine Stellprobe, sich einfinden, durchtanzen und das Licht einstellen. Bringt keine Unsicherheiten rein und gibt die Illusion auf, im letzten Augenblick etwas ändern zu können!
Kinderschutz
Gerade in Deutschland wird der Schutz eigentlich ganz groß geschrieben, aber nicht immer beim Tanzen wird die Gefahr als solches wahrgenommen oder sogar vernachlässigt. Fotos und Videos ohne Erlaubnis der Eltern, halb-nackte Kostüme, emotionaler Druck, manchmal auch Leistungsdruck, der seitens der Eltern ausgeht. Über jede Performance, eigenen Stolz und Ehrgeiz sollte das Wohl des Kindes im Vordergrund stehen.
Wettbewerb und Kinder
Dieser Abschnitt ist eigentlich für die Organisatoren gedacht, aber auch für die Trainer und Eltern interessant. Kinder, ob 6 oder 16, sind keine kleinen Erwachsenen. Für sie haben Auftritte und Wettbewerbe eine andere Bedeutung und meist noch nicht die eigene. Die Philosophie, die ihr euren Schützlingen beibringt, bleibt bei ihnen. Schneller-weiter-höher? Dabei sein ist alles? Jemand muss ja den letzten Platz machen? Klärt ein Ziel eines Wettbewerbs erst mit sich selbst ab und erst dann tritt an. Die Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, sie brauchen alles gleich. Es ist absolut unverständlich, warum bei manchen Wettbewerben die Urkunden und Pokale nur für Platz 1-3 gibt, und andere nicht mal erwähnt werden. Eine erwachsene Tänzerin versteht es, für die Kinder ist jede Erkennung eine Anerkennung. Luftballon, kleiner Teddybär oder ähnliches ist mehr als erster Platz. Liebe Wettbewerbsorganisatoren, nemmt lieber mehr Teilnahmegebühren für die Kids aber behandelt sie so, dass sie merken, dass sie wichtig sind. Kinder sind schließlich die nächste Generation unserer Szene.
Zum Schluss möchte ich erwähnen, warum die Arbeit mit Kindern, obwohl sie von einem viel mehr abfordert, toll ist. Die Kinder sind voller Energie und diese steckt an. Die Kinder sind kreativ, und wenn man lernt die Kreativität zu lenken, hat man einen sehr inspirierenden, lockeren und coolen Job. Die Kinder sind dankbar. Ein Lächeln, Umarmung, glückliches Lachen – unbeschreiblich schönes Gefühl und eine unbezahlbare Erfahrung!
Nachtrag:
Warum es gut ist, mit nächster Generation zu arbeiten, und warum es für gestandene Tänzerinnen es so schwer ist oder der Dunning Kruger Effect.
Beim Dunning Kruger Effect geht es darum, dass wenn man sich noch nicht so intensiv mit einer Materie beschäftigt, ist man zwar nicht kompetent genug, ABER sehr motiviert und selbstsicher. Je mehr man weiß, desto weniger Selbstsicherheit hat die Tänzerin. Auf den Bauchtanz und verschiedene Generationen übertragen, kann man sich sehr gut vorstellen, warum die gestandenen Tänzerinnen die neue Generation nicht mögen und damit auch nicht so gerne fördern – sie selbst wissen viel, haben aber nicht mehr die Selbstsicherheit und Begeisterung, die ein neue unerfahrene und manchmal auch nichts wissende Tänzerin hat. Und wie der Graphik zu entnehmen ist, erreicht die Sicherheit nie wieder ihren höchsten Punkt, und um den kann man die New comer echt beneiden. Wie kann man die auseinander klappende Schere zwischen den Generationen schließen? Sich in Erinnerung führen, dass man auch einmal nichts wusste, aber alles konnte und wollte. Und auch die neue Generation wird nach und nach lernen und abkühlen, aber solange sie brennen – lasst euch anstecken!
Mit Love, Delanna